Der fliegende Teppich

Mittwoch, 4. Juli 2007

Der fliegende Teppich

In Indien arbeitet ein Mädchen, nicht viel größer als du. Es knüpft Teppiche. Dafür nimmt es eine Unterlage, auf der die Muster vorgezeichnet sind und mit einem Faden zeichnet es die Muster nach. Es schaut schon gar nicht mehr hin - so viele Teppiche hat es schon fertiggemacht.
Bei dem letzten Teppich ging ihr dann doch tatsächlich der gelbe Faden aus und da nahm sie einfach den goldenen, der da auch noch rumlag. Endlich war sie fertig und rollte den Teppich zusammen um ihn zu den anderen in die Ecke zu legen, aber als sie ihn hinwarf kam nicht das übliche PLUMPS. Verwundert drehte sie sich um und da sah sie den Teppich in der Luft schweben.
'Hääää?' dachte sie und setzte sich auf den Teppich. Aber weder sitzen noch rumhüpfen brachten den Teppich dazu, dass er runterfiel. Er schwebte einfach so über dem Boden.
Da hörte sie den Aufseher kommen und da es eh gerade Feierabend war nahm sie den Teppich einfach auf die Schulter und fing zu weinen an.
"Was ist denn mit dir los?" fragte der Aufseher ein bißchen verärgert.
"Ich hab mich verknüpft..."
"Dann steh hier nicht rum. Pack den Teppich und korrigiere das bis morgen früh. Ich komm dann vorbei und schau mir das an"
Das Mädchen weinte weiter, aber insgeheim freute sie sich und machte sich auf den Heimweg.

Der Weg nach Hause war lang. Sie musste sowieso länger als eine Stunde über staubige Wege gehen, aber heute mit dem Teppich war es noch mal schwerer. Sie schleppte den Teppich die ganze Zeit über der Schulter, da sie Angst hatte ihn abzulegen. Die anderen, die mit ihr liefen, hätten sonst sehen können, dass der Teppich schwebt. Da wäre vielleicht etwas los gewesen.
Sie kam nach Hause als es schon dunkel war und ihre Mutter wartete schon. Sie sah sie etwas schräg an und meinte nur "hast du wieder Arbeit mit nach Hause gebracht?" Das Mädchen lächelte gequält und ging in ihr Zimmer, legte den Teppich ab und ließ sich auf ihr Bett fallen. Die Mutter klopfte an ihre Tür "Magst du was essen?"
"Gleich" sagte das Mädchen und hörte wie die Mutter verschwand.
Vorsichtig rollte sie den Teppich auf. Der Teppich schwebte über dem Boden. Ganz langsam versuchte sie auf den Teppich zu klettern - es hätte ja sein können, dass er runterplumpst oder irgendetwas anderes macht. Endlich saß sie auf der Mitte im Schneidersitz und irgendwie wackelte der Teppich nicht mehr, sondern war ganz gerade, als ob er am Boden läge. Sie bewegte langsam den Oberkörper nach vorne und der Teppich bewegte sich ebefalls nach vorne. Wenn sie sich nach hinten lehnte, dann flog er nach hinten. Auch links und rechts funktionierte genauso.
Dann versuchte sie gerade den Teppich irgendwie zu drehen als sie plötzlich ihre Mutter hörte. Die Türklinke ging nach unten und ihre Mutter steckte den Kopf durch die Tür.
Morgen gehts weiter

Der fliegende Teppich (Teil 2)

Die Mutter streckte also den Kopf in den Raum.
"Uaaaah - was ist den hier los?"
"Öhhhm, ich übe nur ein bißchen fliegen" sagte das Mädchen.
"Das seh ich" sagte die Mutter. "und wie gehts vorran?"
Das Mädchen war ein bißchen verwundert über die Reaktion ihrer Mutter, wollte sich aber nichts anmerken lassen.
"Naja - noch ein bißchen wackelig".
"Kann ich auch mitfliegen?" fragte die Mutter und als das Mädchen nickte ging die Mutter aus dem Raum und rief den Rest der Familie zusammen.
"Unser kleines Mädchen hat einen fliegenden Teppich. Kommt wir fliegen eine Runde" und zu dem kleinen Mädchen sagte sie leise "aber morgen bringst du ihn wieder zurück, ja?"
Das kleine Mädchen nickte wieder versuchte dann aber das Gleichgewicht wiederzuerlangen, weil der Teppich ein bißchen wackelte.
Ihr Bruder und Ihr Vater stiegen auf den Teppich und die Mutter öffnete die Wohnungstür - und sprang auf den Teppich als das Mädchen den Teppich durch die Tür manövrierte.
Sie flogen langsam durch die Luft und immer höher hinauf. Die Leute wurden immer kleiner und kleiner. Dann waren sie nur noch Punkte. Inzwischen waren die Häuser nur noch so klein wie Legohäuser.
"Mensch hat dich doch fest" raunzte die Mutter den kleinen Bruder an!
"Aber dann kann ich nicht mehr runterkucken..." sagte der Bruder und setzte sich trotzig gerade hin.
Sie flogen gerade über die Vororte der Stadt als der Bruder auf einmal sagte: "Hey da sind ja weisse Berge auf dem Teppich" und deutete auf ein Bild auf dem Teppich.
Plötzlich stoppte der Teppich in der Luft, dreht um und flog wie ein Blitz davon.
Die Familie hielt sich an den Händen fest und rückte ganz nah zusammen.
Nach einer Weile sahen sie am Horizont die Berge auftauchen und die kamen mit der Zeit immer näher. Ganz langsam wurde es auch immer kälter.
Schliesslich sahen sie unter sich nur noch Schnee, der sich auch noch bewegte.
"Mama, warum beweget sich der Schnee?" fragte der Bruder.
"Weil das eine Lawine ist, da rutscht der Schnee den Berg hinunter"
Das Mädchen schaute in der Gegend rum und sagte dann. "und warum laufen die dann die Leute da nicht weg?"
Auf einmal stoppte der Teppich und begann ganz langsam zu landen.
"Hallo" riefen die Dorfbewohner.
"Hallo auch" sagte der Vater. "Habt ihr schon gesehen, dass eine Lawine auf euch zukomm?"
"Nein - aber weglaufen können wir nicht. Das geht im Schnee nicht so gut. Vor allem wüssten wir nicht wohin" sagte ein alter Mann, der sowas wie so ein Häuptling zu sein schien.
"Mmm, das könnte zum Problem werden - die Lawine ist schon sehr nah - eigentlich ist sie in wenigen Minuten hier" meinte der Vater.
Das Mädchen dachte nach und versuchte eine Lösung zu finden. Allen anderen ging es auch so.
"Moment einmal" sagte die Mutter. "Wir haben hier ja einen fliegenden Teppich. Der könnnte ja einfach hochfliegen und wenn die Lawine vorbei ist wieder landen."
Die Leute schriehen und der Vater gab der Mutter einen Kuss und flüsterte "gute Idee".
Die Dorfbewohner steigen alle auf den Teppich und das Mädchen hob die Arme, damit der Teppich losfliegt.
Aber nichts passierte. Der Teppich blieb auf dem Boden liegen. Das Mädchen hob energischer die Arme aber auch darauf regierte der Teppich nicht.
Auf der anderen Seite des Dorfes konnte man schon die Lawine herandonnern hören. Das Mädchen schaute die Mutter fragend an, die aber nur mit den Schultern zuckte.
Die Dorfbewohner schauten entsetzt in Richtung der Lawine, die immer näher kam und alle Häuser unter sich begrub.
"Vielleicht sind wir zu schwer?" flüsterte der kleine Bruder dem Mädchen zu.
DAS WAR'S. Sie waren zu schwer und der Teppich konnte sie nicht alle hochheben.
Sie schaute noch einmal zur Lawine hin, die jetzt schon ganz nahe gekommen war.
Morgen gehts weiter

Dienstag, 3. Juli 2007

Der fliegende Teppich (Teil 3)

Die Lawine war schon fast da. Und vor der Lawine wird vom Schnee, der sich zu Tal wälzt, ein großer Luftstrom hergeschoben.
Dieser Luftstrom hob den Teppich an und damit konnte er wieder fliegen. Sofort stieg er hoch und unter sich sauste die Lawine über das Dorf hinweg. Als dann endlich die Lawine weg war senkte sich der Teppich langsam zu Boden und die Dorfbewohner brachen in Jubel aus. "Wir möchten uns ganz feste bei euch bedanken. Unser Dorf wurde zwar verschüttet und unsere Hütten müssen wir ausgraben, aber immerhin sind wir noch am Leben.
Der Familie wurde von vielen Leuten die Hände geschüttelt und als sie losflogen winkten sie alle noch lange. Aber erleichtert flogen sie nun wieder in der Luft und Richtung Heimat.
"Bist du dir sicher, dass wir in die richtige Richtung fliegen, Papa?" fragte das Mädchen worauf der Papa nickte. Alle saßen etwas geschafft auf dem Teppich und dachten über ihr Erlebnis gerade nach und wieso sie da eigentlich da reingeschlittert waren, als der kleine Bruder auf einmal sagte.
"Hey - den Teppich hast du gemacht?"
"Ja" sagte das Mädchen.
"Ja schau dir das mal an. Elephanten!" und er deutete auf ein Bild auf dem Teppich.
Sofort stoppte der Teppich, drehte sich ein bisschen und rauschte mit Karacho los.
"UUUUUiiiiiiiiihh" schrie die Familie. "Festhalten!".
Wie ein geölter Blitz sausste der Teppich über die letzten Ausläufer der Berge und in die Ebene hinein.
Weiter und weiter flog der Teppich. Alle schauten nach unten und genossen die Aussicht. Kleine Hügel, Seen und Flüsse. Langsam wurde die Gegend karger. Immer weniger Büsche, Bäume und Gras.
Und dann waren sie fast in der Wüste. Es gab noch vereinzelt Bäume und Büsche, aber nur noch ganz selten.
Da sahen sie eine Elefantenherde. Die lief ganz langsam und erschöpft in der in der Steppe rum. Und dann sahen sie das kleine Elefantenbaby. Es war schon ganz fix und fertig und schleppte sich im Schatten seines Vaters vorwärts.
"Die schauen irgendwie traurig aus" sagte der kleine Bruder.
"Die haben wahrscheinlich Durst. Wir sind schon lange nicht mehr über irgendein Wasser geflogen. Und wir sind viel schneller als die Elefanten." sagte die Mutter.
Als sie fast neben den Elefanten waren wurde der Teppich langsamer und die Elefanten schauten die Fremden an. Die großen trompeteten um sie willkommen zu heißen nur der kleine schaffte es gar nicht mehr den Rüssel zu heben.
"Der Kleine braucht dringend was zu trinken" flüsterte das Mädchen verzweifelt. "Aber woher? Mama hat schon lange keinen Fluss mehr gesehen und ich auch nicht." sagte ihr Bruder "Und bis zuhause ist es zu weit."
"Können wir ihn nicht auf den Teppich setzen?" fragte das Mädchen "So wie die Dorfbewohner."
"Nein, ich glaub das schafft der Teppich nicht" überlegte die Mutter.
morgen gehts weiter

Montag, 2. Juli 2007

Der fliegende Teppich (Teil 4)

"Aber wir müssen dem kleinen doch helfen!" jammerte das Mädchen.
"Lass uns noch mal hochfliegen" schlug der Papa vor.
"Aber wir haben nichts gesehen" sagte das Mädchen, aber nachdem sie den Blick von ihrer Mutter gesehen hatte, wusste sie, dass Papa eine Idee hatte.
Sie winkte dem kleinen Elefanten zu und der hob den Rüssel ein bisschen zum Abschied. Dann flogen sie hoch in den Himmel.
Papa schaute angestrengt auf den Boden und auch Mutter schaute umher.
"Flieg mal darüber" sagte Papa und deutete auf eine Staubwolke am Horizont.
Das Mädchen drehte den Teppich und flog los. Die Wolke wurde immer größer und sie sah ganz kleine Häuser.
"Da ist aber gar kein Fluss. Da sind nur Leute..." sagte das Mädchen verwundert.
"... und diese Leute brauchen auch was zu trinken - und zwar Wasser."
Das Mädchen lächelte und flog auf das Dorf zu. Dort angekommen erzählten sie den Leuten von den Elefanten und besonders von dem kleinen und die Dorfbewohner gaben ihnen Wasser mit. Und dann sagten sie noch, dass bald die Regenzeit anfängt und dann die Elefanten nicht mehr dursten müssen.
Die Familie setzte sich sofort auf den Teppich und flogen zu den Elefanten zurück.
Die Elefanten freuten sich schon und der Kleine durfte als aller erstes trinken. Noch während die Tiere tranken flog die Familie los um wieder nach Hause zu kommen.
"Wohin müssen wir jetzt?" fragte das Mädchen.
"Dahin" - "Dorthin". Papa und Mama schauten sich an und lachten los. Der kleine Bruder deutete auf ein Bild von einem Haus auf dem Teppich. "Hey, das schaut ja fast so aus wie unseres!" Plötzlich stoppe der Teppich und flog mit riesen Karacho los.
"Nicht schon wieder - ich will nach Hause!" schrie das Mädchen.
Sie flogen also wieder und wussten nicht wohin. Ganz dahinten ging die Sonne schon unter und ganz langsam wurde es ihnen kalt.
"Hey kuck mal" sagte Mama und deutete nach unten. "Da hinten ist unser Haus."
Ganz langsam senkte sich der Teppich und endlich konnte die Familie absteigen.
"Und jetzt legst du den Teppich bitte in dein Zimmer und morgen bringst du ihn zurück." sagte Mama zum Mädchen.
"Aber... warum denn?".
"Weil es nicht deiner ist. Du kannst höchstens deinen Boss fragen ob er ihn dir verkauft und dann..." plötzlich stockte die Mutter.
"und dann?" fragte das Mädchen nach.
"Hast du dich nicht gefragt warum wir so überhaupt nicht überrascht waren?" die Mutter schaute sie von der Seite an.
"Ja - jetzt wo du's sagst"
"Dein Großvater hatte auch einen fliegenden Teppich. Damit ist er immer rumgeflogen. Aber irgendwann war der Teppich dann kaputt vom vielen Landen und Starten. Seitdem haben wir nie wieder einen gesehen. Dein Opa wäre stolz auf dich, dass du einen fliegen kannst - wirklich."
"Aber ich hab nicht genug Geld um mir den zu kaufen..."
"Dann wirst du sparen müssen und wir auch. Und vielleicht gibt dir Opa auch noch was dazu. Aber dann wirst du ihn auch mal mitnehmen müssen" sagte Mutter und lachte.
"Aber JA" sagte das Mädchen und lachte auch.
Und dann gingen sie erst mal total müde ins Bett und schliefen auch sofort ein.

Freitag, 1. Juni 2007

Nachtrag

-- nicht zum vorlesen--
Ach ja - Grundzüge dieser Geschichte sind aus einem Buch, das ich als Kind gelesen hab, bzw das mir vorgelesen wurde.
Leider hab ich keine Ahnung mehr von wem das Buch ist, oder wie das Buch heißt.
Also wenn irgendwer den Namen des Buches oder des/r AutorIn kennt. Möge er mir doch bitte einen Kommentar hinterlassen.
Ich möchte mich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken.

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Grausam
Im allgemeinen wirkt Ihre Geschichte sehr gelungen,...
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